Background Image
Previous Page  18 / 54 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 18 / 54 Next Page
Page Background

16

„Inhalte müssen

unter die Haut gehen!“

Hier spricht der Papst des Content Marketing: Der US-Experte Joe Pulizzi, Gründer des

Content Marketing Institute, erklärt, wie erfolgreiches Content Marketing funktioniert und

warum für Journalisten gerade jetzt ein goldenes Zeitalter anbricht.

Interview: Martin Foszczynski

Ihr neues Buch ist „Epic Content

Marketing“ betitelt. Was sind richtig

gute, „epische“ Storys, Mr. Pulizzi?

P U L I Z Z I :

Eine Epic Story kann aus

allen möglichen Ecken kommen und

unterschiedlichste Zielsetzungen haben.

Epic Content Marketing hingegen ist

eine Business-Strategie, die eine ganz

spezifische Zielgruppe ansprechen soll,

um entweder die Verkaufszahlen zu

steigern, Kosten zu sparen oder zufrie-

denere Kunden zu schaffen, die mehr

kaufen oder länger verweilen.

Mit welchem Content kann man

Kunden wirklich erreichen?

Jede Kundengruppe hat ihre eigenen

Bedürfnisse. Unser Job als Content Mar-

keter besteht darin, auf eine ganz be-

stimmte Zielgruppe zu fokussieren und

genau deren Bedürfnisse anzusprechen.

Dazu gehört natürlich auch, abzuschät-

zen, in welchem Bereich man wirklich

das Know-how hat, um zu überzeugen.

„Es gibt heute immer weniger

Konkurrenz über den herkömmlichen

Postweg.“

Joe Pulizzi

Das hört sich kompliziert an.

Eigentlich ist das gar nicht so schwer;

viele Brands machen aber den Fehler,

vor allem über sich selbst, über ihre

eigenen Produkte und Leistungen zu

sprechen. Dabei interessiert das die

(meisten) Kunden gar nicht. Meine Emp-

fehlung: Denken und handeln Sie wie

ein Medienunternehmen. Für welchen

Content begeistert sich Ihre Zielgruppe

derzeit gerade?

Storytelling ist das Um und Auf

einer Content-Marketing-Strategie.

Wie dringt man am besten zu den

Kunden durch?

Zunächst einmal ist es wichtig, eine

Strategie zu haben. Die meisten Unter-

nehmen haben keine! Die Menschen

lieben Geschichten ... Content Marke-

ting muss zwar nicht immer als Story

daherkommen, aber am besten lässt

sich Content nun einmal transportieren,

wenn er Themen anspricht, die der

Zielgruppe extrem wichtig sind, und

wenn er gleichzeitig informiert und

unterhält. Hier führt also kein Weg an

guten Storytellern oder Journalisten

vorbei. Außerdem muss die Zielsetzung

klar sein. Was wollen Sie bei Ihren Kun-

den erreichen? Und wie soll der Impact

gemessen werden? Alle diese Fragen

sollten im Vorfeld geklärt werden.

Sie schreiben, dass Emotionen der

Schlüssel sind, um die Aufmerk-

samkeit der Kunden zu erreichen

– nur positive Emotionen oder auch

negative, irritierende?

Die meisten Entscheidungen werden

emotional getroffen. Unser Content

muss daher unter die Haut gehen, in

den meisten Fällen über positive Emo-

tionen, manchmal auch über negative.

Nehmen Sie zum Beispiel ein Non-Profit-Unternehmen, das die Menschen

zum Handeln bewegen will. Das funk-

tioniert wahrscheinlich am ehesten,

wenn sie eine Story über das Unrecht

bringen, das anderen Menschen zuge-

fügt wird.

Die Welt der „Mad Men“ genießt im

Fernsehen gerade große Popularität.

Dabei scheint die Zeit der klassi-

schen Werbeagenturen vorbei zu

sein. Steht uns ein neues goldenes

Zeitalter des Journalismus bevor?