28
„ H O L Z I S T S E X Y “
Schwere Holzarbeit, Stallausmisten und die
Herstellung von Rundballen-Silos zaubert
wenigen ein Funkeln in die Augen und gehört
zum harten Alltag der Weizer Landring-Bau-
ernschaft. Mit dem Printmagazin
Kraft am
Land
wollte sich die Genossenschaft der
Landwirte bei den Mitgliedern in Erinnerung
rufen und die Produkte sowie Dienstleistun-
gen, die man vor Ort anbietet, präsentieren.
Mit Storytelling mitten aus dem Leben der
Bauernschaft gelang dieses Vorhaben so
gut, dass sich – wie eine Telefonumfrage
schon nach einem Jahr ergab – viele sogar
an einzelne Reportagen erinnern konnten. Im
Zentrum der jeweiligen Story stehen immer
Menschen, primär Bäuerinnen und Bauern,
die Einblick in ihren Alltag geben. Befindet der
Forstwirt trotz harter Arbeit, „Holz ist sexy“,
wird er selbstverständlich mit Vergnügen im
Magazin zitiert.
F A C T S :
Kunde: Landring Lagerhaus Weiz
Erscheinung: vierteljährlich (2012–2014)
Umfang: 16 Seiten
Konzept und Umsetzung: Fresh Content von
Corporate Media Service Graz
Wo fange ich an? Welche Infor
mationen sind für den Text
relevant, welche nicht? Schrei-
ben ist manchmal eine Kunst, in
jedem Fall aber ein Handwerk, das
gelernt werden will. Für die ersten
Schritte hilft es, sich an den sechs
journalistischen Ws zu orientieren.
Sie heißen: Wer? Was? Wann? Wo?
Wie? und Warum? „Die Antworten
auf diese Fragen sind jene Fakten,
die einen Artikel ausmachen.
Sie sind das, was der Leser sich
von einem journalistischen Text
erwartet“, sagt Clemens Jager von
der Corporate-Publishing-Agentur
JAGER PR.
Entscheidend ist: Das Wichtigste,
das Besondere muss an den Anfang.
Beantwortet werden muss ein W
auch dann, wenn Sie die Antwort
darauf nicht kennen. Schreiben Sie
also in dem Fall, dass etwas unbe-
kannt ist, unter Umständen einen
Hinweis, dass es dazu in späteren
Ausgaben genauere Informationen
geben wird.
Einen Überblick über die wichtigsten
Fakten bietet auch eine Factbox.
In ihr können die wichtigsten Infor-
mationen noch einmal komprimiert
dargelegt werden. Sie kann jedoch
kein Ersatz für die Beantwortung
dieser Fragen im Text selber sein.
Gemeint ist damit die zentrale Aus-
sage eines Textes in zwei bis drei
kurzen Sätzen – also das, was man
seinem in der Küche werkenden
Partner zuruft, wenn man am Tisch
sitzt, einen interessanten Artikel
liest und dessen wesentliche Aus-
sage ins Nebenzimmer ruft.
Für den Leser hat der Küchenzuruf
den Vorteil, dass er nach der Lek-
türe genau weiß, was ihm vermittelt
wurde. Die Kernbotschaft bleibt
ihm leicht im Gedächtnis hängen.
Für den Autor ist der Küchenzuruf
eine Unterstützung beim Schreiben.
Denn er gibt die Richtung vor, in
die der Text gehen soll. „Das hilft
Ihnen bereits bei der Recherche:
Sie können sie besser eingrenzen
und strukturieren“, so Clemens
Jager. Beim Schreiben selbst dient
der Küchenzuruf als roter Faden
und hilft, sich nicht zu verzetteln.
Denn zu viele Informationen in
einen Text zu packen, bedeutet
nichts anderes, als dass gleichran-
gige Botschaften sich den Rang
ablaufen.
Was heißt eigentlich „journalistisch schreiben“?
Ein Praxis-Tipp von Clemens Jager:
„Schreiben Sie sich die sechs Ws
mit den dazugehörigen Antworten
stichwortartig auf und beantworten
Sie dann jede W-Frage in ganzen
Sätzen. Sie werden sehen, um wie
viel strukturierter Ihr Text wird.“
Das stellt allerdings nur die Basis
dar. Mindestens ebenso wichtig
ist der „Küchenzuruf“. Geprägt
wurde dieser Begriff von Henri
Nannen, dem mittlerweile verstor-
benen Gründer und langjährigen
Chefredakteur des Magazins
Stern
.
P R A X I S - T I P P
Wer den „Küchenzuruf“ und die sechs Ws berücksichtigt, macht schon vieles richtig.




