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39

G E L D & KO S T E N

Der Heilige Gral

der Refinanzierung

Mittagspause in der Kantine

eines mittelständischen Unter-

nehmens. Während immer mehr

Mitarbeiter in den Speisesaal

tröpfeln, bildet sich um einen

der Esstische ein Pulk. Man hört

Gelächter, jeder neu hinzukom-

mende Kopf möchte sehen, was

unter den Umstehenden eine derar-

tige Heiterkeit auslöst. „Na schau, der

Herbert schaut auf dem Foto nicht einmal

schlecht aus“, stellt einer der Wortführer

süffisant fest, während er durch die brandneue

Mitarbeiterzeitung blättert. „Stimmt und g’scheit

daherreden kann er auch super“, hört man aus einer

der hinteren Reihen. Allgemeines Gelächter. Plötzlich nä-

hert sich Herbert: „Na, wenn wir uns ehrlich sind, gehört

die Sache schon längst intern diskutiert. Oder nicht?“

Ein reges Gespräch entspinnt sich unter einem Teil der

Zuhörer, die restlichen blättern munter im Heft weiter.

Die kleine Szene aus der Kantine zeigt: Mitarbeiter-

kommunikation ist wichtig, lenkt bewusst die

Wahrnehmung von Zielgruppe und Öffent-

lichkeit und macht sich bezahlt, was ebenso

für die Kundenkommunikation gilt. Dieser Mehrwert hat bei

Unternehmen und Organisationen längst Eingang ins Be-

wusstsein gefunden.

K E I N B A B Y - B R E I I M S TA H L - M A G A Z I N

Hinter solchen gut gemachten Magazinen, Zeitungen und

Webseiten stehen kompetente journalistische Teams, die

Themen im Sinne des Auftraggebers in der Öffentlichkeit

verhandeln. Dieses Know-how kostet Geld. Schnell ist da die

Idee geboren, mögliche Einnahmequellen zu erschließen, um

die Kosten zu senken. Doch

auf der Suche nach dem

Heiligen Gral der Refinan-

zierung lauern Fallen. So er-

scheint der Verkauf von Inse-

raten als leicht anzuzapfende

Geldquelle. Vor allem Banken

oder Autohersteller will man im

Magazin sehen. Wie gut der Anzei-

genverkauf für das jeweilige Medi-

um funktioniert, hängt allerdings stark

von dessen Zielgruppe und Qualitätsan-

spruch ab. „Um überhaupt für Werbekun-

den attraktiv zu sein, müssen die Werbeschal-

tungen zur Zielgruppe und zum redaktionellen Umfeld

passen“, weiß Peter Morawetz, Geschäftsführer der

Albatros Media GmbH. In einer Mitarbeiterzeitschrift

der voestalpine macht es wenig Sinn, Anzeigen für

Baby-Brei zu schalten.

V O N N U L L B I S H U N D E R T P R O Z E N T

Dazu kommt, dass viele potenzielle Anzeigen-

kunden ihre Budgets bereits verplant haben.

Somit bedeutet es für Verlage und Auf-

traggeber einen beträchtlichen Aufwand,

potenzielle Werbekunden ausfindig zu machen und diese

mit professionellen Unterlagen – sprich: Mediadaten – vom

Mehrwert eines Inserates in eben ihrem Corporate-Medium

zu überzeugen.

„Es gibt generell keinen Schlüssel für das Verhältnis der Re-

finanzierung zu den Kosten“, sagt Morawetz. Von null (häufi-

ger) bis hundert Prozent (seltener) kommt alles vor. Neben der

Kostenreduktion für den Produzenten bringen Anzeigen den

Mehrwert gesteigerter Glaubwürdigkeit mit sich. Morawetz:

Der Bedarf an Unternehmensmedien steigt.

Entgegen der populären Netzmeinung, dass heutzutage

jeder Medienmacher sein kann, beweisen

spezialisierte Verlage, dass hinter Corporate Publishing

jede Menge Know-how und Manpower steckt.

Doch wer soll das alles bezahlen?

Von Tatjana Rauth

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